Gedenktag: Richard Tille zum 100. Geburtstag

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Richard Tille wäre am 30.12. 2020 100 Jahre alt gewordentille 100

Herzogenaurach. Der frühere Kreisheimatpfleger Richard Tille wäre am kommenden Mittwoch 100 Jahre alt geworden. Der „Herrn Lehrer Tille“, immer seriös und im Anzug und mit Krawatte, war nicht nur begeisterter Pädagoge, er war das, was man noch in den Nachkriegsjahren einen „Schulmeister der alten Schule“ nannte, ein echter Dorfschullehrer mit einer Ader für das Leben der ländlichen Bevölkerung sowie für Heimat und Heimatkunde.
Richard Tille, ein gebürtiger Erlanger, musste nach seiner Ausbildung zum Mechaniker Bei Siemens und Halske den Krieg ziehen und kam glücklicherweise 1945 ohne Verwundung oder Gefangenschaft in seine Geburts- und Heimatstadt Erlangen zurück. Franken war und blieb seine echte Heimat und hier engagierte er sich zeitlebens. Er schulte zunächst um, wurde Lehrer und fand im Herzogenauracher Ortsteil Höfen seine wahre Heimat.

Unmittelbar gegenüber seiner Wirkungsstätte, der alten Schule, baute er später zusammen Mit seiner Ehefrau und dem (viele Jahre ebenfalls Lehrerin an der Carl-Platz-Schule) und dem sehr früh verstorbenen Sohn ein schmuckes Häuschen, das stets die Anlaufstelle für „seine“ Schulkinder und die Landbevölkerung war.

Der „Herr Lehrer Tille“, wurde in den Zweifelsheimer Gemeinderat gewählt, wurde und war eine Institution im westlichen Altlandkreis Erlangen Höchstadt, und zwar bis zur Auflösung der „Landschulen“. Bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand unterrichtete er anschließend in Herzogenaurach an der Carl-Platz-Schule.

Der Bitte von Landrat Dr. Georg Daßler, als Kreisheimatpfleger ehrenamtlich zu wirken, kam Richard Tille in den 70er Jahren spontan nach und kümmerte sich bis 1988 um die Denkmals- und Brauchtumspflege im westlichen Landkreis ERH. Wo immer ein Bauernhof oder Bürgerhaus zur Renovierung anstand, Richard Tille war mit den zuständigen Experten des Landratsamtes für Denkmalpflege stets mit Rat und Tat zur Stelle. Daneben erstellte er eine Denkmalschutzliste, um weitere Objekte vor der Zerstörung zu bewahren.

Dazu kam seine unendliche Leidenschaft, selbst zu sammeln, was er für erhaltenswert hielt: vom Schulheft, über das alte Schulbuch bis hin zum Bierkrug oder einer alten Flasche, für Richard Tille war alles erhaltenswert,- sehr zum Leidwesen derer, die später seinen „Museumskeller“ ausräumen mussten.

Erinnert sei an zahlreiche Kapellen und Bildstöcke im Landkreis (u.a. in Beutelsdorf, Hammerbach u.a.) sowie sein Einsatz für vom Verfall bedrohte Bauernhäuser in seinem Bezirk. 160 Flurdenkmäler hat er katalogisiert und vor dem Verfall bewahrt.

Sein „Meisterstück“ war allerdings sein unermüdlicher Einsatz für die Erhaltung des Seelhauses, des „Farnlucher Hauses“ im Steinweg Nr. 5 sowie die Restaurierung des „Großen Spitals“ in Herzogenaurach.

Starke Mitstreiter fand Tille hier in Bürgermeister Hans Ort sowie vor allem im damaligen Fraktionsvorsitzenden und Träger der Goldenen Stadtmedaille Wolfgang Falk Zusammen mit ihm kämpfte er unermüdlich für den Erhalt des ältesten Häuschens in der Herzogenauracher Innenstadt.

„Ich hätte nie gedacht, dass diese Bruchbude jemals wieder bewohnbar wird“, so der damalige Vorsitzende des Heimatvereins über das heutige Schmuckstück im Steinweg5. Der Heimatverein ist heute stolz auf das restaurierte Haus, das er seit der Restaurierung nutzen kann.

Tille, seit den 80er Jahren Ehrenmitglied im Heimatverein, war rastlos und hatte ein weiteres Ziel vor Augen: das große Spital am Kirchenplatz, in dem einst sein großes Vorbild, Luitpold Maier, seine letzten Lebensjahre verbracht hatte Es war seiner Meinung nach der geeignete Ort für ein Herzogenauracher Stadtmuseum. Und so war er, - der „Kämpfer und positive Sturkopf“ Tille! Was er sich einmal in den Kopf gesetzt hatte, das führte er auch aus.

Kurz nach seinem 80. Geburtstag konnte auch dieser sehnliche Wunsch Tilles verwirklicht werden. Im Jahr 2000 wurde das ehemalige Pfründnerspital als Herzogenauracher Heimatmuseum eröffnet. Voller Stolz konnte der damals 80-Jährige seinen großen Wunschtraum bei der Einweihung sehen, - sein Lebenstraum war in Erfüllung gegangen.

Zwei Heimatbücher und eine Reihe von Stadtprospekte entstanden seit den 70er Jahren dank des Engagements von Richard Tille.

Mit zahlreichen Auszeichnungen wurde sein Einsatz gewürdigt: Richard Tille war Träger der Denkmalschutzmedaille, der Stadtmedaille in Gold, durfte sich mit der „Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ schmücken und weitere Auszeichnungen auf Landesebene wurden ihm zuteil.

Zeit seines Lebens war er „ein begeisterter Jäger und Sammler“. Was er für erhaltenswert erachtete, hielt er fest: Porzellan und Bücher, Schulhefte und Zeitungsartikel - und wenn kein Platz für seinen Fundus war, dann lagerte er das Ganze im Keller seines Hauses, sehr zum Leidwesen seiner Schwiegertochter Monika und deren Lebensgefährten Daniel.

Der Ehrenvorsitzende des Herzogenauracher Heimatvereins verstarb am

1. September 2013 mit 93. Jahren. Der Verein, die Verantwortlichen bei den Behörden in Stadt und Land und viele Herzogenauracher werden ihn nie vergessen.

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Koordinator für den Steinweg
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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