Helmut Fischer´s Heimatkalender 2022
Ab sofort bei allen bekannten Verkaufsstellen erhältlich
Der neue Stadtschreiber ist da!
Erhältich bei Bücher & mehr und Ellwanger
Bayerischer Heimatpreis 2018
geht an den Heimatverein 23.07.2018
Der alte Schloßgraben
Unser Central Park von Herzogenaurach
Der Türmersturm
Einer unserer Stadttürme
Der Wiwaweiher
Der See mitten in unserer Stadt
Die Altstadt
Das Herz unserer Stadt

Nächste Veranstaltung:

Stammtisch

Montag 10 Okt 2022
19:00 - Uhr


Zu Ehren der Gottesmutter 85 Kilometer nach Dettelbach

1 1 1 1 1 Bewertung 0.00 (0 Stimmen)
Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

 

Herzogenaurach. Am kommenden Wochenende ist es wieder soweit. Rund 200 Christen aus der Aurachstadt bekennen ihren Glauben und tragen in der unterfränkischen Wallfahrtsbasilika „Maria im Sand“ ihre Sorgen und Fürbitten vor. Es ist die 278. Wallfahrt an der sich – wie seit Jahren - mehrere Gruppen von Gläubigen beteiligen.

 

Eines aber ist neu: die Einheit und Zusammengehörigkeit aller Teilnehmer steht in diesem jahr im Mittelpunkt. „Es kann nicht sein, dass sich Fuß- oder Radwallfahrer, solche , die mit dem Bus oder PKW nach Dettelbach kommen als Konkurrenten verstehen. Alle haben dasselbe Anliegen, und von daher muss dieses auch nach außen dargestellt werden“, so Helmut Fischer und Thomas Kotzer. Und beide betonen „Wir müssen offen sein nach allen Seiten!“

 

Auf einer gemeinsamen Sitzung hat man sich vor Wochen klar festgelegt: die Einheit wird durch den gemeinsamen Einzug und die Begrüßung aller Teilnehmer am Samstag um 13.00 Uhr demonstriert. Dass man eine Gruppe mit einem Anliegen ist, erkennt man auch beim Blick in den Wallfahrtsprospekt. Der wurde gemeinsam erstellt und in ihm sind alle wichtigen Daten aller Gruppen vom Abmarsch bis zu den einzelnen Aktivitäten vor Ort ersichtlich.

 

Seit 1738 ziehen Herzogenauracher Gläubige ins Unterfränkische, um den Beistand der Gottesmutter zu erbitten. Über den Feiertag Maria Himmelfahrt (15. August) oder „nach der Schnitternte“, wie man früher formulierte, fand früher die viertägige Wallfahrt statt. Es ging an den ersten beiden Tagen ausschließlich zu Fuß über Höchstadt, Schlüsselfeld nach Geiselwind und von hier aus vorbei an Wiesentheid in Richtung Main. Rund 85 Kilometer hatte man dann zurückgelegt – jeder „im Schweiße seines Angesichts“. In einem Wallfahrtsbüchlein von Pfarrer Johann Erhard Ammon aus dem Jahr 1757 ist genau festgelegt, welche Gebete gesprochen, welche Lieder gesungen werden und wo gerastet werden soll.

 

Unterbrechungen der Wallfahrt gab es lediglich, als nach dem Zusammenbruch des Alten Reichs (nach 1800) Wallfahrten für kurze Zeit verboten worden waren. In Kriegs- und Notzeiten erfuhr die Pilgerschaft der Herzogenauracher jeweils starken Zulauf. In Unterlagen im Dettelbacher Franziskaner Kloster, der Anlaufstelle für alle Wallfahrer, findet sich der Hinweis, dass anlässlich der 50. Wallfahrt im Jahr 1788 der Herzogenauracher Pfarrer von 1 000 (!) Teilnehmern begleitet worden sein soll, die ihre Anliegen am Gnadenbild in der Basilika in Dettelbach vorgetragen haben.

 

Vieles hat sich seit 1900 geändert. Man nutzt für den Bittgang nach Dettelbach teilweise die Eisenbahn. Zu Fuß ging es nach Emskirchen, später nach Puschendorf. Von hier aus fuhr man nach Mainstockheim und dann wallte man wieder „per pedes“ zum Marienheiligtum. Mit zunehmender Motorisierung stieg man seit den 50-er Jahren auch um auf den Bus oder den bequemeren PKW. 1988 aktivierte Helmut Fischer die Fußwallfahrt aufs Neue: sieben Mann wagten damals diese Herausforderung. Seitdem ist die Zahl der Fußwallfahrer ständig gestiegen und in diesem Jahr hat Fischer Anmeldungen von 18 Frauen und 34 Männern aus allen Herzogenauracher Pfarreien. „Selbst evangelische Gläubige haben sich seit einigen Jahren angeschlossen“, stellt Helmut Fischer stolz fest.

 

Zusammen mit dem neuen Wallfahrtsleiter Thomas Kotzer – er ist in die großen Fußstapfen von Heiner Fink und Klaus Burkhardt getreten – freut man sich auch über die Teilnahme von 50 Fuß-/Buswallfahrern (ab Puschendorf bzw. Mainstockheim) und  über  50 reine Buswallfahrer. Und unter Leitung von Thomas Matzick sind auch 30 Jugendliche mit dem Fahrrad auf der Wallfahrt. Und zahlreiche Privatpersonen, die mit dem eigenen Auto nach Dettelbach kommen, schließen sich zum Hochamt am Sonntag um 9.00 Uhr an .

 

Auch Stadtpfarrer Helmut Hetzel ist die Wallfahrt ein Anliegen. Er läuft am ersten Tag mit den Fußwallfahrern nach Geiselwind und begleitet am 2. Tag die Radfahrer.

 

Thomas Kotzer freut sich, dass 2016 wieder mehr, vor allem jüngere Teilnehmer nach Dettelbach ziehen. Wie ernst er seinen Posten nimmt, beweist die Tatsache, dass er an einer dreitägigen Ausbildung der Erzdiözese zum Wallfahrtsleiter teilgenommen hat. „Schließlich werden an die Leiter immer höhere Anforderungen wie im Bereich Sicherheit und Logistik gestellt“, betont er. Bleibt abschließend nur die Hoffnung, dass Petrus alle Wallfahrer vor Blitz und Donner, Regen und Hagel und zu großer Hitze bewahren möge.

 

Kalus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Koordinator für den Steinweg
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

Design by WD